Frag einen Auswanderer: Barbara aus Australien

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Frag einen Auswanderer - Barbara aus Australien

Das eine „Auswanderung“ auch einfach mal glatt laufen kann, zeigt das Beispiel von Barbara Barkhausen. Sie ist schon so lange in Australien, dass Sie den EURO nur von Heimatbesuchen kennt. Denn Sie ist mittlerweile seit über 13 Jahren in Down Under, hat einen australischen Pass und ihren beiden Kinder sind Australier. Wie es zu dieser Erfolgsgeschichte kam, wie Sie heute ihren Lebensunterhalt verdient und ob es vielleicht doch den einen oder anderen Stolperstein gab, lest ihr jetzt in einer neuen Folge von „Frag einen Auswanderer“.

Hallo Barbara, stell dich bitte kurz den Lesern von traumauswandern.de vor und erzähl uns, wohin du ausgewandert bist und warum du dich für eine neue Wahlheimat entschieden hast?

Barbara Barkhausen und FamilieIch bin Journalistin und habe in München studiert und gearbeitet, bevor wir 2002 nach Australien ausgewandert sind. Wir haben uns nicht wirklich bewusst für Australien entschieden, es war eher so, dass es sich ergeben hat, während wir mehrere Wochen Urlaub in Australien machten und mein Mann Projekte im Büro seiner damaligen Firma hier in Sydney entdeckte, während er die Kollegen kurz besuchte.

Beschreib uns doch mal, wie sich dein Leben in deiner neuen Heimat geändert hat? Hast du zum Beispiel das Gefühl, dass sich deine Lebensqualität verbessert hat? Musst du vielleicht sogar mehr arbeiten als zuvor in Deutschland?

Ein großer Unterschied war für mich, plötzlich alleine von zu Hause zu arbeiten und nicht mehr im Redaktionsbüro mit meinen Kollegen zu sitzen. Im Moment arbeite ich ja nur noch mit Kollegen, wenn ich einen Film drehe, aber Artikel, Radiostücke und Bücher, die entstehen alle bei mir zu Hause. Ich arbeite damit selbstständig und das bedeutet tatsächlich ständig – insofern arbeite ich sicher ähnlich viel wie noch in München. Trotzdem habe ich das Gefühl, ich habe eine bessere Lebensqualität – einfach weil draußen öfter die Sonne scheint, ich auf Wasser, tropische Pflanzen und nicht selten auch Papageien, Kookaburras und Kakadus schaue.

Dein Mann wurde ja von seiner deutschen Firma nach Australien abgestellt. Du hattest im Vorfeld noch keinen Job. Hast du dich bereits in Deutschland auf Jobs beworben oder dich auf die Jobsuche in Australien vorbereitet?

Ich habe mich eigentlich nicht wirklich beworben. Ich habe mir über eine Agentur einen Job hier in Australien gesucht, um ein wenig aus dem Haus zu kommen und australische Kollegen zu haben und ansonsten habe ich mein Freelance-Business von zu Hause aufgebaut. Das war alles eigentlich recht reibungslos und ich habe innerhalb der ersten Wochen gleich Geld verdient.

Fandest du die Einwanderung nach Australien einfach oder gab es viele bürokratische Hürden, gerade auch in den ersten Wochen eures neuen Lebens in Australien.

Für uns war es einfach, da die Firma meines Mannes uns gesponsort hat, wir das richtige Alter, Studium und Berufserfahrung hatten und auch die medizinischen Tests alle passten. Das darf aber nicht darüber wegtäuschen, dass der Prozess ganz schön bürokratisch ist und durchaus schwierig sein kann. Übrigens sind die Australier sicher nicht weniger bürokratisch als die Deutschen, das habe ich von Anfang an gemerkt, wenn ich beim Immigration Department, beim RTA oder beim Tax Office war. Nur das Einwohnermeldeamt habe ich nie gefunden, aber das ist eine andere Geschichte… Dafür müßt ihr mein Buch lesen.

Wie hast du selbst die Integration in einem fremden Land erlebt? Wie einfach war es für dich und deinen Mann euch in Australien zu integrieren, neue Freunde zu finden und Wurzeln zu schlagen?

Wir haben relativ schnell Freunde gefunden, auch wenn sich die Freundschaften teils über die Jahre hinweg verändert haben. Inzwischen haben wir deutlich mehr europäische Freunde als noch zu Beginn. Damals wollten wir einfach nur Australier kennenlernen. Nach über zehn Jahren im Land relativiert sich das aber wieder und man findet plötzlich wieder Gemeinsamkeiten mit anderen Europäern.

Eure Familie hat sich in den ersten fünf Jahren in Australien um zwei Kinder erweitert. Sie sind in Australien geboren, wieviel Deutschland steckt in Ihnen? (Sie sind doch sicherlich noch stärker verwurzelt als ihr?)

Die Kinder sind Australier und Deutsche und das nicht nur auf dem Papier. Sie sprechen beide Sprachen fließend und fühlen sich in Australien wie auch in Deutschland zu Hause, wenn wir die Familie besuchen. Es steckt deutlich mehr Deutsches in ihnen, als man vermuten möchte, nicht nur, dass sie deutsches Essen gerne mögen und gut mit anderen deutschsprachigen Kindern klar kommen, sie schauen auch gerne deutsche Filme und hören mit Begeisterung deutsche Hörbücher.

Barbara Barkhausen füttert KankuruDeine Auswanderung ist schon eine Weile her. Wie oft hast du heute noch Kontakt zu deinen deutschen Wurzeln und wie oft besuchst du deine alte Heimat? Hat sich das in den Jahren geändert?

Nein, das hat sich nicht so verändert. Ich maile und telefoniere immer noch mit meinen deutschen Freunden und wir fliegen im Durchschnitt einmal im Jahr nach Deutschland. Ich könnte mir auch jederzeit wieder vorstellen, in Deutschland zu leben, allerdings würde ich mich sicher beim Tüv oder bei der Telekom blamieren, wenn ich mich nicht mehr auskennen würde. Auch an den Euro müßte ich mich erstmal richtig gewöhnen und dann mindestens eine Woche Fernsehschauen, um wieder bei allem mitreden zu können. Ich lese aber jeden Tag auch die Welt und den Spiegel online, damit ich zumindest nicht ganz uninformiert bin.

Gab es Momente, in denen du zurück nach Deutschland wolltest und dein altes Leben vermisst hast? Und wie bist du mit der Trennung zu deiner Familie umgegangen?

Nach etwa fünf Jahren kam mal die Idee auf, wieder nach Deutschland zu gehen. Mein Mann hatte ein berufliches Angebot, ich hätte damals wieder bei meinem alten Arbeitgeber anfangen können. Aber dann hats uns doch gepackt und wir sind hiergeblieben. Meine Familie bedauert das und auch ich würde sie gerne mehr sehen, aber Skype sei dank kann man sich inzwischen ja jederzeit online sehen.

Gibt es Dinge bezgl. deiner Auswanderung, die du in der Retrospektive anders machen würdest? 

Nicht wirklich. Bei uns lief alles recht glatt. Vielleicht würde ich früher ein Haus kaufen, nachdem ich weiß, wie der Immobilienmarkt in Sydney in den vergangenen Jahren hochgegangen ist J.

Welche Tipps würdest du anderen geben, die nach Australien auswandern wollen?

Mein Auswandererbuch lesen – neben den persönlichen Episoden im „Geliebten Australien“ habe ich auch ein Sachbuch geschrieben, das von Visum, Umzug über Arbeitssuche und Wohnungssuche alle wichtigen Themen abdeckt. Ich glaube, so eine Kombination – ein persönliches Buch und eines, das mir sagt, wies funktioniert, hätte ich damals gerne gehabt.

Du bist 2002 nach Australien gegangen und letztes Jahr hast du die ersten Jahre deiner Auswanderung in dem Buch „Geliebtes Australien“ verewigt. Wie kam es zu der Idee zu dem Buch und wie hat es sich für dich selbst angefühlt, diese Zeit in Gedanken noch einmal zu erleben?

Als wir ankamen, habe ich bei einem Frauenmagazin im Internet einen Blog geschrieben, der recht viele Leser hatte. Das setzte mir damals schon die Idee in den Kopf. Dann kamen aber immer wieder andere Projekte dazwischen, ich habe ja sogar noch ein Gifttierebuch („Gefährliches Australien“) und ein allgemeines Überblicksbuch – „Das Australien-Lesebuch“ – beim MANA-Verlag veröffentlicht, bevor ich das „Geliebte Australien“ schrieb. Als ich meine alten Notizen und Texte nach zehn Jahren wieder hervorholte, war das ein wirklich schönes Déjà-vu. Ich fühlte mich, als würde ich alles nochmal erleben.

Geliebtes Australien von Barbara BarkhausenDu bist jetzt 13 Jahre in Australien, deine Kinder sind Australier – Hand auf’s Herz. Wieviel Deutschland steckt eigentlich noch in dir und fühlst du dich mittlerweile mehr wir ein Aussie? Oder wird dich und deine Familie das Leben vielleicht nochmal in einen anderen Teil der Welt verschlagen?

Man kann noch so lange hier sein, ich bin kein wirklich echter Aussie, auch wenn ich einen australischen Pass habe. Das Deutsche kriegt man nicht raus und warum auch? Man ist eben so, wie man ist und die meisten Australier schätzen das Multikulti sehr. Als etwas rücksichtsvoller Erdenbürger sollte man ja eigentlich in den meisten Ländern gut zurechtkommen, ohne sich komplett verändern zu müssen.

Wird es uns nochmal woanders hin verschlagen? Geplant ist nichts, aber man soll ja nie nie sagen …

Danke, Barbara für das Interessante Gespräch und die Einblicke die du uns in dein Leben in Australien gegeben hast. Ich finde es sehr spannend, dass du nicht nur den Schritt der Auswanderung gewagt hast, sondern gleich auch den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen bist – zwei große Veränderungen im Leben. Dein Buch „Geliebtes Australien“ (Link zu Amazon) hat mich an vielen Stellen zum Lachen gebracht und hat mich nur zu sehr an einige eigene Abenteuer erinnert. Das Buch ist zum Beispiel bei Amazon erhältlich und nicht nur für Auswanderer sondern auch für Australien-Fans netter Lesestoff (gerade jetzt im Sommer am See :)). 

Euer Patrick
und Barbara Barkhausen

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About The Author

Ich habe bereits längere Zeit in unterschiedlichen Ländern wie Schottland, Australien und Neuseeland gelebt und seit 2008 beschäftige ich mich aktiv mit dem Thema Auswanderung und den Herausforderungen denen Auswanderern gegenüberstehen und habe seitdem deutschen Auswandern mein Wissen und meine Hilfe auf traumauswandern.de zur Verfügung gestellt.

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